Text von Elmar Eberhardt

von der Universität Kassel - Fachbereich Landwirtschaft,
internationale Argarentwicklung und Ökologische Umweltsicherung

Tiere als Nahrung?

Löwe und Lamm
Ich denke, alles auf der Erde ist etwas Lebendiges, doch wird mir jeder recht geben, wenn ich sage, dass es einen Unterschied zwischen einem Stein und einem Känguru gibt. Pflanzen sind auch Lebewesen, ob sie fühlen, leiden... können wir wohl nicht beurteilen. Können wir es aber ernsthaft bei Tieren beurteilen. Kann ich wirklich beurteilen, ob meine Mitmenschen leiden?
Wie definiere ich selbst Leiden?
Damit lässt es sich quasi nicht verhindern, Lebewesen zu töten um sich selbst am Leben zu erhalten (das wird gemeinhin auch als Fressen und Gefressen-Werden bezeichnet). die Schwierigkeit dabei ist es nun nur - soviel Lebewesen zu töten, wie wir tatsächlich zu unserem Lebenserhalt brauchen. Noch schwieriger ist es zu sagen, welche Lebewesen erhalten bleiben dürfen, und welche nicht !

!und was ist mit den Opfergeschichten?? Die Leute haben früher wohl auch Fleisch gegessen, Milch getrunken...und auch Tiere geschlachtet, mit einer Opferzeremonie: d.h. es war ihnen sehr wohl bewusst, dass sie ein Lebewesen getötet haben, die Zeremonie kann man sozusagen als Dankesgeste und Entschuldigung "sehen". Fleisch war demnach etwas besonderes.

KüheGeht man noch weiter in die Geschichte zurück, zur "Steinzeit", dann wird einem in der Schule immer wieder vom Jäger und Sammler erzählt. Nun gut, ich selbst habe schon steinzeitlich Werkzeuge nachgebildet (damit auch schon einen Baum gefällt), habe schon oft mit Tieren zu tun gehabt und kann mir vorstellen, dass ein steinzeitlicher Jäger und Sammler lieber auf einen Baum geklettert ist, um irgendeine Frucht zu pflücken, wie mit einem "Messer" ein Tier zu töten, bzw. mit einem Speer hinter irgendwelchen Tieren herzurennen (ein Speerwurf ist auf maximal 30m noch so kraftvoll und präzise, dass er ein Tier töten kann ! ) d.h. Ernährung mit Fleisch hat keine allzu große Tradition, und Fleisch zu essen, war auch hier etwas besonderes.

Welchen Wert hat das Fleisch denn tatsächlich in der Ernährung?? Mir ist nicht bekannt, dass Fleisch Inhaltsstoffe enthält, die nicht durch andere Nahrungsmittel auch der Ernährung zugeführt werden könnten ! das heißt aber nicht, dass Fleisch kein Mittel ist, sich bestimmte (notwendige) Inhaltsstoffe zuzuführen !

Jeder wird mir wohl zustimmen, wenn ich sage, dass ein Hochleistungssportler sich so ernähren muss, dass er diese Leistung erbringen kann. Heute wurde ein neuer Marathonweltrekord aufgestellt. Interessant wäre zu wissen, welche Nahrungsmittel dieser Sportler auf seinem Speiseplan hat.
Nach meinen eigenen Erfahrungen im Leistungssport, wird sich ein Ausdauersportler hüten, viel Fleisch zu sich zu nehmen (er isst im Verhältnis zu dem Rest seiner Nahrungsmittel sehr kleine Fleischmengen). um bei der Sporternährung zu bleiben. Sportler die Aggressivität brauchen(?), z.B. Boxer, Ringer...werden in der modernen Sporternährung bewusst mit Fleisch "vollgestopft" um eben jene Aggressivität zu steigern ! welche Bedeutung Fleischkonsum also auf die Gesellschaft haben könnte kann sich jeder nun selbst ausdenken !

Ob sich dadurch auch das Verhalten von bestimmten Präsidenten einiger Länder ableiten lässt, sei mal dahingestellt ! In diesem Zusammenhang interessant ist, dass sich Cäsar's Soldaten vor Schlachten geweigert haben Fleisch zu Essen (vermutlich, weil sie ihren Körper nicht mit der doch sehr energieraubenden Verdauung des Fleisches belasten wollten).

SchweineZurück zur Aktualität: momentan liegt der durchschnittliche Pro-Kopf-Verbrauch bei 55kg Schweinfleisch, 14kg Rindfleisch und 16 kg Geflügel (Zahlen 2000 - neuere hab ich spontan nicht gefunden, vermutlich ist aber der Rindfleischverbrauch nach BSE wieder gestiegen ! ). Das macht zusammen 80kg (dies sind kg-Angaben - Ausgeschlachtet und ohne Knochen (mit s. 3. Beitrag). dieser Pro-Kopf-Wert wird als Wohlstandsmaßstab eines Landes zu Hilfe genommen. D.h., wenn das jetzt doppelt so viel Fleischverbrauch hätte, würde dies einen höheren Wohlstand bedeuten, paradox, aber wahr !

Zur Tierhaltung: wie Revolutia schon angemerkt hat, werden durch Tierhaltung viele Ressourcen verbraucht, zum anderen auch einige Probleme geschaffen: Abholzung des Regenwaldes, Tiertransporte, Wasserverschmutzung, Bodenverseuchung (in der Region Vechta Cloppenburg ist auf einem ha Land 1kg Antibiotika aus der Schweinehaltung ! ).

Rechnet man den "Veredelungsprozess" eines Tieres nach dem Energiegehalt, dann ergibt sich folgendes: um Schweinefleisch mit dem Energiegehalt von einem kg Weizen zu erzeugen, muss man einem Monogastrier (Schwein) ca. 5-7 kg Weizen füttern, bei Wiederkäuern liegt der Wert bei ca. 2-3x !
Im Prinzip ist damit Schweinehaltung reine Verschwendung. Trotzdem wird von Nahrungsmittelmangel geredet ! Wenn man jetzt einfach mal von einer Reduzierung des Fleischkonsums um die hälfte ausgeht, dann würde sich grob überschlagen (wirklich nur grob) bedeuten, dass ca. 13.000.000 t Getreide nicht verfüttert würde ! Deutschland verbraucht pro Jahr ca. 14.000 PJ an fossiler Energie (peta = 10 hoch 15 ! ).
geht man von einem Hektar-Ertrag von 5 t aus, dann heißt dass, dass 2,6 Millionen Hektar frei sind ! nur die Biomasse von z.B. Weizen würde einen energiewert von ca. 190 GJ/ha erreichen. Mit anderen Kulturen und Anbausystemen ist bestimmt auch noch mehr erreichbar. Welche Energiemenge das ist, überlasse ich jedem selbst zu rechnen ! Nicht zu vergessen bei der ganzen Sache ist folgendes: die "Dritte Welt" baut Sojabohnen und andere Futterpflanzen an, diese werden nach Europa transportiert, dort an die (Wohlstands)Schweine verfüttert. Doch die Gülle, die wird nicht zurückgefahren, d.h. es werden durch Fleischkonsum zusätzlich die Länder verarmt (Boden als Wert ! ), die sowieso nicht gerade gut gestellt sind !

Andererseits pflegen die Tiere unsere Landschaft ! Im Schwarzwald wird momentan wieder aktiv abgeholzt, da die Menschen dort wegziehen, da es ihnen zu "dunkel" ist, sie keinen weiten Blick über das Land haben. Aus demselben Grund fehlen auch die Einnahmen aus dem Tourismus dort (Tourismus ist aber ein extra Thema...genauso wie das Problem mit der Dunkelheit und den Menschen dort). Weiterhin ist die vorhin von mir gemachte Rechnung mit Vorsicht zu genießen, denn bei der Fläche, die von Tieren "besetzt" wird ist auch solche Fläche dabei, die (z.B. aus gelände-technischen Gründen) nicht landwirtschaftlich (aber forstwirtschaftlich ! ! !) genutzt werden kann. Man sollte auch im Auge behalten, dass Gras nicht der menschlichen Ernährung dient, dies also durch die Tiere überhaupt erst der menschlichen Ernährung dienen kann. so gilt in einigen Gegenden der Welt (z.B. Mexiko) Vegetarismus als Wohlstand, da dort Fleisch in Massen vorhanden ist, Gemüse jedoch weniger. Auch in Wüstenregionen ist oft ein Tier eine Möglichkeit überhaupt noch Nahrung zu (im herkömmlichen Stil) produzieren (was in diesen Regionen noch alles möglich wäre ist auch wieder ein anderes Thema...zu dem ich auf Nachfrage aber gerne antworten kann ! ). Dabei sollte man aber auch bedenken, dass vor allem die Monogastrier (Schwein...) in direkter Konkurrenz zur menschlichen Nahrung stehen, Wiederkäuer sind dagegen als Grasfresser wohl anders zu sehen !

MilchkannenNun noch zu den Vegetarieren, jenen Menschen, die kein Fleisch essen, aber Milch, Käse, Eier... (meist in höherem Maße) zu sich nehmen. Prinzipiell tut es einer Kuh nicht weh, wenn man sie melkt (außer die Kuh ist am Euter kitzlig, dann tut sie dem Melker weh ! *g*). Jedoch sollte man bedenken, dass eine Kuh nur Milch geben kann, wenn sie ein Kalb bekommen hat ! Und dann nur ca. ein 305 tage lang, danach muss sie wieder ein Kalb bekommen (durch Hormonbehandlung - was man als künstlich schwanger halten bezeichnen kann) kann man dies um maximal nochmals 100 Tage hinauszögern ! Was aber tun mit diesen Kälbern??

Eine Kuh bekommt je nach Haltung 3-7 Kälber, die Hälfte davon sind Bullenkälber, die bekanntlich keine Milch geben ?? Freilassen?? Gerne, doch ich will das Geschrei aus Nachbars Garten mit Englischem Rasen nicht hören. Aufziehen?? Warum nicht und dann?? Sterben lassen und das Leder verwenden?? Wenn das Leder dann tatsächlich noch verwertbar ist (wer hat schon mal ein Tier natürlich sterben sehen?? Das kann noch leidender sein, als Schlachten ! )
Halt, so einfach geht's nicht, dieses Tier frisst wieder "Weizen" und kostet den Landwirt Arbeit, Zeit... und damit Geld. Jedoch erhält er dafür "Nichts" => dieser Weg ist so nicht gangbar. Genauso sieht es bei den Hühnern aus. Ich habe noch keinen Hahn ein Ei legen sehen, genauso wenig wie Hühnerlederschuhe (nur Hühneraugen) ! Aber viele tote Hähnchenküken ! (Deutschland hat bei Geflügelfleisch und Eiern übrigens nur einen Selbstversorgungsgrad von 70%, Butter 80%, Schweinefleisch bei 90%. Der Rest liegt über 100- bis 130%, Milchpulver bis über 200%)

Zur Ethik: Tiere wirklich artgerecht zu halten ist nur möglich, wenn?? ja vielleicht keine Menschen mehr auf der Erde sind?? oder man sie schlicht gar nicht hält.
Das bedeutet: keine tierischen Produkte mehr, auch keine, Felle, Leder, Wolle, Impfstoffe...mehr (Tierversuche ist auch wieder ein anderes Thema).

Hallo Vegetarier, Veganer?? Habt ihr eine Katze oder einen Hund, am ende gar ein Kaninchen oder Hamster?? Ist Whiskas (oder wie das Zeug heißt) artgerechte Tier-Ernährung?? Und die Bude artgerechte Haltung??
Leute beisst euch nicht selbst in den Schwanz, das geht schief ! Mutterkuhhaltung (reine Fleischproduktion) kann mit Abstand die artgerechteste (landwirtschaftliche) Tierhaltung sein, die es gibt, was nun?? Schweine im Freiland halten, ist bestimmt artgerecht, führt aber in 90% der Fälle zu einer Grundwasserbelastung ! Also auch hier wieder nichts zu holen ! Zudem haben die Landwirte immer noch das Problem, dass sie davon leben müssen, und auch dort richten sich die Landwirte nach dem Markt, und in der Fleischproduktion ist schlicht am meisten zu holen (die Verbraucherausgaben sind dort auch am höchsten (für 100kg Roggen bekommt ein Landwirt ca. 7-8 Euro ! Fleischpreis finde ich gerade nicht...).
Käfighaltung für Hühner wird demnächst verboten (in Deutschland), das Ergebnis ist eine höhere Belastung mit Salmonellen, dreckigere Eier, mehr Krankheiten bei den Hühnern (=> mehr Medikamente) und vor allem, in Ländern wie Ungarn werden riesige Käfigbatterien gebaut...
Und was sollen wieder die Landwirte tun, die damit eine art Arbeitsverbot bekommen?? Oft kommt das Argument, ich könnte das Tier nicht töten (aber Bombenwerfen, Wehrdienst machen...), das Tier dann nicht zu essen könnte man dann sogar als konsequent bezeichnen.

Schafe"Ohne Tierhaltung gäbe es diese Tiere gar nicht". Das mag sein. Dafür gäbe es vielleicht noch Büffelherden (und ich möchte den Veganer sehen, der ruhig bleibt, wenn sein Gemüsebeet zertrampelt wird ! ) und was ist mit dem Jagen? Tiere zum Spaß töten? das halte ich für absolut verwerflich, auch wenn mache Adelshäuser das gerne tun... Doch Moment, was passiert wenn man nicht mehr jagt? Meine Eltern haben auf 150ha ca. 20 Hirsche und Hirschkühe. Wildschweine verdoppeln ihre Population in einem Jahr, bei Kaninchen will ich gar nicht wissen, wie vielfach das bei denen geht (ich glaube irgendwo zwischen 5-7x). Schön, da muss der Zaun um ein Kartoffelfeld verdammt hoch und fest sein, um als Mensch noch an Kartoffeln zu kommen (ich spreche aus Erfahrung ! ) also doch jagen ?
Was würde ohne Jagd passieren? Die Tiere würden sich sehr stark vermehren, bis zu einer Seuche, dann würde die Population wieder dezimiert. Ok, dann spielt eben der Mensch das was er am besten kann und ist, nämlich Seuche und jagt, bzw. reduziert den Tierbestand so, dass er noch genügend Kartoffeln für sich selbst hat !

Nun denn, ich glaube es reicht jetzt fürs erste, sonst liest es ja doch niemand, meine persönliche Meinung noch mal:

Was jeder Einzelne tut, muss jeder für sich selbst mit sich und seinem Gewissen ausmachen, eben "auf sein Herz hören". Ich persönlich lehne weder Fleisch essen, noch Tierhaltung radikal und komplett ab, jedoch mache ich es sehr stark von Art der Haltung und Menge des Konsums abhängig. Ich habe meinen Eltern eine Kuh geschenkt, die liefert ausreichend Milch und Fleisch. Und die kartoffelfressenden Wildtiere, ein paar eierlegende Viecher... (und die Bauernhofidylle ist perfekt *lach*) für mindestens 20 Personen. Schweinehaltung ist für mich nicht akzeptabel, da Schweine in direkter Nahrungsmittelkonkurrenz zum Menschen stehen, und zudem "nur" den Fleischwert haben, und nicht wie Kühe noch Milchprodukte und Landschaftspflege liefern !

In diesem Maß ist Fleisch dann (gesundheitlich wahrscheinlich nicht schädlich); wird von der Gesellschaft und der Erde verkraftet und kann deutlich einfacher artgerecht sein ! Dann ist es wohl so, wie von Jägern und Sammlern bzw. der Bibel, oder unseren Urgroßeltern überliefert !

Zudem sollte man sich, egal welche Art von Lebewesen man isst, immer bewusst sein, dass dieses Lebewesen gleichgestellt mit einem Selbst ist, und sollte dankbar dafür sein, dass man dieses Lebewesen als Nahrung nutzen darf ! Vielleicht sollte man sich auch Gedanken über einen Ausgleich für das andere Lebewesen Gedanken machen.

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