Deine
Kinder
Deine Kinder sind nicht deine
Kinder,
sie sind die Söhne und Töchter
der Sehnsucht des Lebens nach sich selbst.
Sie kommen durch dich, aber nicht von dir
und obwohl sie bei dir sind,
gehören sie dir nicht,
du kannst ihnen deine Liebe geben,
aber nicht deine Gedanken,
denn sie haben ihre eigenen Gedanken,
du kannst ihrem Körper ein Heim geben,
aber nicht ihrer Seele,
denn ihre Seele wohnt im Haus von morgen,
das du nicht besuchen kannst,
nicht einmal in deinen Träumen.
Du kannst versuchen, ihnen gleich zu sein,
aber suche nicht, sie dir gleich zu machen,
denn das Leben geht nicht rückwärts
und verweilt nicht beim Gestern.
Du bist der Bogen,
von dem deine Kinder als lebende Pfeile
ausgeschickt werden:
Lass deine Bogenrundung
in der Hand des Schützen Freude bedeuten.
Kahlil
Gibran
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Desiderata
Gehe gelassen inmitten von Lärm
und Hast und denke daran, wie ruhig es sein kann in
der Stille. So weit als möglich - ohne Dich aufzugeben
- sei auf gutem Fuß mit jedermann. Das, was
Du zu sagen hast, sprich ruhig und klar aus und höre
Andere an, auch wenn sie langweilig oder töricht
sind, denn auch sie haben an ihrem Schicksal zu tragen.
Meide die Lauten und Streitsüchtigen, sie verwirren
den Geist. Vergleichst Du Dich mit Anderen, kannst
Du hochmütig oder verbittert werden, denn immer
wird es Menschen geben, die bedeutender und besser
sind als Du. Erfreue Dich am Erreichten und an Deinen
Plänen. Bemühe Dich um Deinen eigenen Beruf,
wie bescheiden er auch sein mag; er ist ein fester
Besitz im Wechsel der Zeit. Sei vorsichtig bei Deinen
Geschäften, denn die Welt ist voller Betrüger.
Aber lass deswegen das Gute nicht aus den Augen, denn
Tugend ist auch vorhanden. Viele streben nach Idealen,
und überall im Leben gibt es Helden. Sei Du selbst.
Täusche vor allem keine falschen Gefühle
vor. Sei auch nicht zynisch, wenn es um Liebe geht,
denn trotz aller Öde und Enttäuschung verdorrt
sie nicht, sondern wächst weiter wie Gras. Höre
freundlich auf den Ratschlag des Alters und verzichte
mit Anmut auf Dinge der Jugend. Stärke die Kräfte
Deines Geistes, um Dich bei plötzlichem Unglück
dadurch zu schützen. Quäle Dich nicht mit
Wahnbildern. Viele ängste werden durch Müdigkeit
und Einsamkeit geweckt. Bei aller angemessenen Disziplin
- sei freundlich mit Dir selbst. Genau wie Bäume
und Sterne, so bist Du ein Kind der Schöpfung.
Du hast ein Recht auf Deine Existenz. Und auch wenn
Du das nicht verstehst, entfaltet sich die Welt gewiss
nach Gottes Plan. Bleibe also im Frieden mit Gott,
was auch immer er für Dich bedeutet und was immer
Deine Sehnsüchte und Mühen in der lärmenden
Verworrenheit des Lebens seien - bewahre den Frieden
in Deiner Seele. Bei allen Enttäuschungen, Plackereien
und zerronnenen Träumen ist es dennoch eine schöne
Welt. Sei vorsichtig. Strebe danach, glücklich
zu sein.
"Desiderata" wurde
1927 von
Max Ehrmann(1872-1945) geschrieben.
1956,
benützte der Pfarrer der St. Pauls Kirche in
Baltimore, Maryland - das Gedicht in einer Sammlung
von anregendem Material für Pantomimen für
seine Kirchengemeinde. Jemand, der es später
druckte, behauptete, daß es in der alten St.
Paul's Kirche, datiert 1692 gefunden wurde. Das
Jahr 1692 war das Gründungsdatum der Kirche
und hat nichts mit dem Gedicht zu tun. Siehe: Fred
D. Cavinder, "Desiderata", TWA Ambassador,
Aug. 1973, pp. 14-15.
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Gebet
eines unbekannten Soldaten
Sieh, oh Gott, ich habe Dich niemals angeredet,
Aber jetzt möchte ich Dir guten Tag sagen.
Die Leute sagten zu mir, dass Du gar nicht existierst,
Und wie ein Dummkopf habe ich dies alles geglaubt.
Gestern abend sah ich aus einem Granatloch Dein Himmelsgewölbe.
Ich schloß daraus, dass man mich angelogen hat.
Hätte ich mir Zeit genommen, um Deine Werke anzusehen,
Wäre ich von selbst darauf gekommen, dass man
mir einen Bären aufband.
Ich möchte wissen, o Gott, ob Du mir Deine Hand
reichen würdest.
Ein Gefühl sagt mir, dass Du mich verstehst.
Sonderbar, ich musste an diesen höllischen Ort
kommen,
Bevor ich Zeit hatte, Dein Angesicht zu sehen.
Wohl, ich denke, da ist nicht mehr viel zu sagen,
Aber ich bin froh, dass ich Dich heute traf.
Ich glaube, die Stunde des Angriffs wird bald schlagen.
Aber ich habe keine Angst, seit ich weiss, dass du
mir nahe bist.
Ich höre das Signal. Wohl, o Gott, ich habe zu
gehen.
Ich habe Dich gern, das sollst Du wissen.
Sieh, es wird einen harten Kampf geben.
Wer weiß, vielleicht komme ich zu Deiner Wohnung
diese Nacht.
Obgleich ich früher nicht sehr freundlich zur
Dir war,
Mache ich mir doch Gedanken, ob Du mich an Deiner
Tür erwartest.
Sieh, ich weine, ich vergiesse Tränen!
Wohl. Ich habe jetzt zu gehen, Gott, auf Wiedersehen.
Sonderbar. Seit ich Dich traf, habe ich keine Angst,
zu Dir zu kmmen.
Das Gebet wurde 1943 bei einem in Italien gefallenen
Amerikaner gefunden. Als Verfasser wird angegeben:
Francis Angermayer
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Wahre
Liebe?
Was
ist wahre LIEBE?
Du sagst:
"Ich LIEBE die Blumen"
aber Du pflückst sie
Du sagst:
"Ich LIEBE die Bäume"
aber Du vergiftest sie
Du sagst:
"Ich LIEBE die Vögel, Fische und Hamster"
aber Du sperrst sie ein
Du sagst:
"Ich LIEBE die Tiere"
aber Du isst sie
Nun hab ICH Angst
Du könntest sagen
"ICH LIEBE DICH"
Text:
mir unbekannter Autor
Bild: aus einer Werbung
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Wenn
die Erde...
Wenn die Erde nur wenige Meter groß wäre.
Wenn die Erde nur wenige
Meter groß wäre und irgendwo in einem Wald
läge, dann kämen die Menschen von überall
her, dieses Wunder zu bestaunen. Die Menschen würden
um sie herumgehen, ihre großen Wsserbecken bewundern
und ihre kleinen und das Wasser, das zwischen den
Becken fließt. Die Menschen würden ihre
Beulen und ihre Löcher bestaunen und die sehr
dünne Gasschicht, welche die Kugel umgibt und
den Wasserdunst darin. Die Menschen würden all
die Kreaturen bewundern, die an der Oberfläche
dieser Kugel und in ihren Gewässern leben. Die
Menschen würden die Kugel für wertvoll erklären,
denn sie wäre die einzige ihrer Art, und man
würde sie beschützen, damit ihr kein Leid
geschehe. Die Kugel wäre das größte
aller Wunder und die Menschen würden zu ihr pilgern,
um sie anzuschauen, von ihr geheilt zu werden, um
Erkenntnis zu erlangen, Schönheit zu erfahren
und um zu lernen, wie das Leben sein könnte.
Die Menschen würden sie lieben und mit ihrem
Leben verteidigen, weil sie unbewusst fühlen
würden, dass ihr Leben, ihre eigene Rundheit,
nicht existieren könnte ohne diese Kugel.
Wenn die Erde nur wenige Meter groß wäre.
(mir
unbekannter Autor)
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Ein Baum
!
Diese
Etwa 100 Jahre alte
Buche
sollten Sie sich
Etwa 20 m hoch
und mit
Etwa 12 m Kronendurchmesser
Vorstellen. Mit mehr als
600.000
Blättern verzehnfacht sie ihre 120 qm
Grundfläche
auf etwa 1.200 qm
Blattfläche.
Durch die Lufträume
des
Blattgewebes
entsteht eine Gesamt-
Oberfläche für
den Gasaustausch
von etwa
15.000 qm, also zwei Fußballfeldern!
9.400 l = 18 kg
Kohlendioxid verarbeitet dieser Baum an einem
Sonnentag. Bei einem Gehalt
von 0,03 %
Kohlendioxid in der Luft
müssen etwa 36.000 cbm Luft
Durch diese Blätter strömen. Die
in der Luft schwebenden
Bakterien, Pilzsporen, Staub und andere schädliche
Stoffe werden
Dabei größtenteils
ausgefiltert. Gleichzeitig
wird die Luft
Angefeuchtet, denn
etwa 400 l Wasser verbraucht und
Verdunstet der Baum an dem selben Tag. Die 13
kg Sauerstoff,
die dabei vom Baum durch
die Fotosynthese
als Abfallprodukt
gebildet
werden, decken
den Bedarf von
etwa 10
Menschen. Außerdem
produziert der Baum an
diesem
Tag 12
kg Zucker, aus dem er alle
seine organischen Stoffe
aufbaut.
Einen
Teil speichert er
als Stärke,
aus einem anderen
baut er sein
neues Hilz. Wenn nun
der Baum
gefällt wird,
weil eine neue
Straße gebaut
wird, oder weil jemand
sich beschwert
hat, dass
der Baum
zu viel Schatten
macht
oder gerade dort
ein Geräteschuppen
aufgestellt
werden soll,
so müsste
man etwa 2000
junge Bäume
mit einem
Kronenvolumen
Von jeweils
1 cbm pflanzen,
wollte man
ihn
vollwertig
ersetzen.
Die Kosten dafür dürften
etwa 150.000 Euro betragen.
(mir
unbekannter Autor)
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Gott
atmet...
Gott schläft im Stein,
atmet in der Pflanze,
träumt im Tier,
und erwacht im Menschen
Indische
Lebensweisheit
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